Review: Cough – And Still They Pray

metal doom sludge, Richmond, US

released June 3, 2016

http://www.metal-archives.com/bands/Cough/97661

Über manche Platten lässt es sich schwer schreiben. Sie sind nicht richtig gut, aber scheiße finden kann man sie guten Gewissens auch nicht. In diese Spalte fällt auch And Still They Pray, das neue Album von Cough. Und nun stehe ich da, als Rezensentin und gucke mit traurigem Blick auf die vielen Superlative, deren Gebrauch – im Guten wie im Schlechten – mir nun verwehrt ist. Meh.
Sechs Jahre sind seid Coughs letzten Studioalbum vergangen und abgesehen von einer Split mit Windhand, ein weiteres Projekt des Bassisten und Vocalisten Parker Chandler, blieb es ruhig um die Band aus Richmond, Virginia.
Zunächst scheint auch auf And Still They Pray keine Zeit vergangen zu sein. Oder besser gesagt: stillzustehen. Das erste Drittel des Albums ist zufrieden damit, sich in traditioneller Doom/Sludge Manier zäh vor sich hin zu wälzen und hätte genauso auch vor fünf oder auch vor 8 Jahren erscheinen können. Die kreisförmige Wiederkehr der immer gleichen Songstrukturen verbreitet ästhetische Langeweile, eine Art aggressive Monotonie, die dem ganzen zugrunde liegt und ihren Ursprung vor allem im Gesang hat, der mehr oder weniger komplett ohne Höhen und Tiefen auskommt. Man denke an Black Sabbath, allerdings ohne die kauzige Schrägheit von Osbournes Stimme.
Cough wirken komfortabel eingerichtet, irgendwo zwischen Eyehategod und Sleep, ohne jedoch die Boshaftigkeit der einen, noch die Erhabenheit der anderen zu besitzen. Die erste Assoziation die sich mir beim hören der Songs Possession und Dead Among The Roses aufdrängt ist die zu Electric Wizard. Tatsächlich klärt eine kurze Anfrage bei Google darüber auf, dass deren Jus Oborne als Produzent mit von der Partie war.
Das Begeisterungsbarometer allerdings weigert sich hartnäckig, den lauwarmen Bereich zu verlassen. Es passiert einfach zu wenig. Das hat man so oder so ähnlich alles schon gehört – nämlich, guess what, bei Electric Wizard zum Beispiel.
Erst ab Masters Of Torture wird es interessanter. Angefangen beim Gesang, der hier endlich beginnt vor Bosheit zu tropfen, werden auch schrägere Töne angeschlagen die das Ohr beschäftigt halten. Da ist aber auch schon fast die Hälfte der Zeit um…
Das darauffolgende Let It Bleed könnte man durchaus als Ballade bezeichnen. Melancholie schleicht sich heran, schlägt um in Verzweiflung und endet im weißen Rauschen.
Shadow of the Torturer dagegen mischt einen großen Löffel kosmischen Staub in den Doombrei. Es handelt sich dabei um eine instrumentale Nummer und die Abwesenheit der Vocals tut dem Song erstaunlich gut. Ãœberhaupt treten in der zweiten Hälfte des Albums die psychedelischen Klänge in den Vordergrund, die dem Ganzen einen trippigen Anstrich, einen Hauch von Universum verleihen, der in der Kombination und nach der zähen ersten Hälfte eine erfrischende Abwechslung bringt.
The Wounding Hours bezaubert durch eingestreute Orgelklänge, die dem Song eine fast schon majestätische Sakralität verleihen und den Abschluss bildet der Namensgeber des Albums And Still They Pray, eine melancholische Akkustiknummer. Wunderbar. Ich habe die vorausgegangene halbe Stunde zelebrierter Langeweile zwar nicht vergessen, aber immerhin vergeben.
And Still They Pray ist ein Album, das eine Weile braucht um aus dem Quark zu kommen, dafür in der zweiten Hälfte aber viel Experimentierfreude an den Tag legt. Und vielleicht spiegelt es gerade in seiner Gesamtheit die Entwicklung der sechs Jahre wieder, aus deren Schnittmenge die Platte entstanden ist.

review by Anam