Review: Aluk Todolo – Voix

black metal experimental krautrock occult rock, Paris, France

released February 5, 2016

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Aluk Todolo zaubert frankophile Schwierigkeiten en masse aus ihrer schwarzen Wundertüte. Namensgebung, Bandsymbol und Schriftzug, Artwork und natürlich die musikalische Seite, liefern nie offensichtliche Antworten. Interrogativsätze befeuern den Verstand, verhindern aber das tiefe Eintauchen in diese französische Welt der Ungewissheit. Die dabei provozierte Hängepartie zwischen Geheimniskrämerei und Mysterium, wirkt nie wirklich gewöhnlich, aber immer herausfordernd und stets hoch innovativ.
Ihr Name in Spiegelschrift, verursacht bei einschlägigen Textprogrammen Schwindelanfälle. Schwarzweiße Cover einer abgetrennten mumifizierten Hand, ein monolithischer Berg im Nebel oder das geographische Labyrinth der neuen Platte Voix, verwirren die Augen mit ihrer gewollten Unschlüssigkeit. Auch phonetisch verlangen die Pariser den Ohren einiges ab. Denn ihre Kunst ist weder Kurzware, noch alltagstauglicher und eingängiger Hit aus den Mainstream verseuchten Charts. Wer unter einem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom leidet, kann aber gleich die Finger von Aluk Todolo lassen, da ein erheblicher Konzentrationsbedarf von Nöten ist, um sich durch ihre schweren Rätselhaftigkeiten zu bohren.
Dem akustischen Kind einen Namen zu geben, ist daher auch eher meterhohe Hürde als juveniler Gummitwist. Per se ist das am ehesten Occult Rock, der auch der vorletzten Veröffentlichung, von 2012, ihren Namen gegeben hat. Mit Black Metal, Doom, Psychedelic, Drone und sogar Krautrock unterfüttert, experimentieren sich die Franzosen in eine eigene kleine, aber trotzdem hochklassige Nische der Rock und Metal Welt. Der allgemeinen Gerechtigkeit Genüge tuend, wird kein stilistisches Element bevorzugt, sondern dem höchst eigenständigen Ganzen unterworfen.
Obsessive rhythmische Vertracktheit, disharmonische Gitarren, vibrierenden Bässe und eigenwilligste Improvisationen, generieren bizarre Momente von hypnotischer Spiritualität, Trance und musikalischer Schönheit. Trotz der unzähligen unorthodoxen Wendungen und des vollen Klangbildes, verrennt sich Aluk Todolo nichtsdestotrotz in einem wohlwollenden Minimalismus. Dazu trägt auch der absolute Verzicht auf Gesang bei, der mehr Störfeuer heraufbeschwören würde, als zuträglich zu agieren. Selbstironie zeigen sie mit Voix auch auf, was im Deutschen soviel wie Stimme bedeutet.
Der Kargheit die Krone aufsetzend, haben sie die Titel ihres neusten Ergusses, nach der Länge der Songs benannt. Die höchst abstrakte Gefahrenlage, zwischen anziehender Bedrohlichkeit, kalkulierter Willkür und ausufernder Verstörtheit, fesselt mit ihrem unklassifizierbarem Dadaismus und berauscht das Bewusstsein, um den banalen Wirklichkeitssinn kolossal zu vernebeln.
Auch wenn Frankreich auf unserem Heimatplaneten liegt, Aluk Todolo sind definitiv nicht von dieser Welt. Endlich, die düstere französische Glühbirne leuchtet wieder!!!

review by Henn O)))