USA Out Of Vietnam live on Sunday!!!Special review by Henn O)))

Ich habe gerockt, du hast gerockt, sie haben gerockt, ich rocke, du rockst, sie rocken,
ich wer­de rocken, du wirst rocken, sie wer­den rocken, ich wer­de gerockt haben,
du wirst gerockt haben, sie wer­den gerockt haben (Tem­po­ra für fei­er­wil­li­ge Kon­zert­gän­ger)
Kom­men­tar der Redak­ti­on: Mit­ge­rockt!!!
 
Heaz Up XXXVIWas wie eine Lek­ti­on einer Deutsch­stun­de aus einer prä­his­to­ri­schen Zeit des eige­nen Lebens daher kommt, soll nur das abge­han­ge­ne Sitz­fleisch mobi­li­sie­ren und zu einem Kon­zert der beson­de­ren Art scheu­chen. Der Rest des trä­gen Kada­vers darf auch mit­kom­men, denn das Ein­tritts­geld ist trotz­dem nur ein­mal zu ent­rich­ten. Rob, oder Rob Zim, ist eine reich­lich umtrie­bi­ge Gestalt in der Ber­li­ner Kon­zert­sze­ne. Immer den guten Geschmack im Auge bzw. Ohr, organ­siert er seit gerau­mer Zeit hoch­klas­si­ge Kon­zer­te aus den Berei­chen Stoner, Doom, Dro­ne, Psy­che­de­lic, Sludge und deren Dunst­kreis.
Da steckt ‘ne Men­ge Arbeit dahin­ter und vor allem Muse drin. Das spürt man an allen Ecken und Enden. Beson­ders auffällig, ist das sehr indi­vi­du­el­le und außer­ge­wöhn­lich schö­ne Art­wor­k der Fly­er und Pos­ter sei­ner Shows. Nun hat er kurz­fris­tig einen beson­ders tol­len Gig aus dem Ärmel gezogen. 
Am 25.10. fin­det im Ber­li­ner Urban Spree die Cana­di­an Dro­ne Night statt. Hier­für hat er die Angel weit aus­ge­wor­fen und mit USA out of Viet­nam, This­quiet­ar­my und Cau­dal ein paar dicke Bro­cken gekö­dert und an Land gezo­gen. Wer ist nun eigent­lich der tol­le­re Hecht? Egal, denn die­ses Ham­mer­pa­ket wür­de, selbst im Streik­fall der Post, bei allen ankom­men. Kei­ne Zeit am nächs­ten Sonn­tag? Da am Wochen­en­de die Uhren wie­der eine Stun­de auf die Win­ter­zeit zurück gestellt werden, wird der Tag tat­säch­lich ver­schwen­de­ri­sche 25 Stun­den lang sein. End­lich mal nicht knie­tief im Zeit Dis­po, gilt es nun zu reinves­tie­ren und im Zei­chen des herbst­lich roten Ahorn­blat­tes abzu­fei­ern.
 

USA out of Viet­nam

Das fängt ja lus­tig an. Gleich mal im Band­na­men den wohl­ge­fäl­li­gen Nach­barn zu kri­ti­sie­ren, stell­t die Wei­chen auf direk­te Kon­fron­ta­ti­on. Obwohl der Viet­nam­krieg schon eini­ge Deka­den zurück liegt, ver­passt man der unsäg­li­chen Welt­po­li­zei noch ein­mal einen gehö­ri­gen Tritt in den Arsch, für ihren sinn­frei­en, leid­brin­gen­den und krie­ge­ri­schen Ein­satz in Indo­chi­na. Doch zu mehr Schar­müt­zeln las­sen sich die ent­spann­ten Kana­di­er nicht hin­rei­ßen. Das hoch­gif­ti­ge Ent­lau­bungs­mit­tel Agent Oran­ge bleibt weg­ge­schlos­sen, das erle­digt der Herbst nun von selbst. Das Gefah­ren­po­ten­ti­al der Kana­di­er ist gering und erfor­dert auch kei­nen grel­len Auf­kle­ber mit einem war­nen­den Toten­kopf. Hoch­be­frie­det und eigen­stän­dig expe­ri­men­tell, ist es äußerst schwie­rig sie in eine Gen­re­kis­te zu stop­fen. Dro­ne, Shoega­ze, Psy­che­de­lic, Prog Rock und durch Ahorn­si­rup ver­kleb­ter Dream Pop, durch­zie­hen die­se trotz­dem homo­ge­ni­sier­te Melan­ge.

Ein wenig ver­steckt, geis­tern auch Ele­men­te aus Doom, Post Rock, Black Metal und Noi­se durch die wär­men­den Sound­s­capes. Von episch pro­lon­giert, über schwüls­tig, bis zu medi­ta­tiv rockend wird ein ful­mi­nan­tes und bun­tes Feu­er­werk der Gefüh­le abge­brannt. Dem Licht näher als der Dun­kel­heit, expe­ri­men­tiert die Band aus Mont­re­al irgend­wo zwi­schen God­speed you! Black Emperor, Juni­us und sogar Deaf­hea­ven mit über­bor­den­de­m Bom­bast her­um. Sam­ples, eigen­wil­lig lei­ern­de weib­li­che Cho­rä­le, kra­chen­de Gitar­ren­or­gi­en, ein ver­ein­sam­tes und leicht depres­si­ves Kla­vier, trö­ten­de Blä­ser sowie wei­te­re pho­ne­ti­sche Ãœberraschungseier, bewirkt nicht nur unein­ge­schränk­te Freu­de auf die Süßigkeit. Dies treib­t eben­so dau­er­haf­t die Span­nun­g in schwin­del­erre­gen­den Höhen. Tat­säch­li­ch gilt das auch für den Sän­ger, der offen­sicht­lich in der Lage ist, mit sei­nen hohen Ton­la­gen selbst Glas­schei­ben zum Sprin­gen zu brin­gen. Das klingt dann wie der Sän­ger von Mastodon nach erfolg­rei­cher Behand­lung mit einer Geni­tal­guil­lo­ti­ne und blu­tungs­stil­len­den Pflas­tern im Schritt. Das kann durch­aus ein wenig auf den Sack gehen, ihm wohl eher nicht.

USA out of Viet­nam” Band­camp: https://usaoutofvietnam.bandcamp.com/

USA out of Viet­nam” Face­book: https://www.facebook.com/usaoutofvietnam


This­quiet­ar­my
 
Eine Armee ist eine Trup­pe, die pri­mär der Ver­tei­di­gung dient, sekun­där aber lei­der auch offen­siv für Abgrif­fe genutzt wird. Der Band­na­me unter­stellt die­ser jedoch ein lei­ses Vor­ge­hen.
Wie das in der Pra­xis aus­se­hen soll bleibt unklar. Geht es mit Pfeil und Bogen in den Krieg? Oder wer­den hoch toxi­ko­lo­gi­sche Schier­lings­be­cher gereicht, ein Knol­len­blät­ter­pilz Ragout ser­viert oder gar das Tou­pet vergiftet. Für gewöhn­lich bal­lert, knallt und kracht es auf die­sem Aus­flug des Todes und des Leids an allen Ecken und Ende. Wenn man die Teil­nah­me an die­ser archai­schen Ver­an­stal­tung über­lebt hat, bleibt zumin­dest ein Tin­ni­tus oder ein kom­plet­ter Gehör­scha­den. This­quiet­ar­my, auch aus Mont­re­al, haben sich für den diplo­ma­ti­schen Mit­tel­weg ent­schie­den. Sie fül­len weder der Hör­ge­rä­te­in­nung das Porte­mon­naie, noch musi­zie­ren sie auf dem nied­ri­gen Dezi­bel Niveau von Amei­sen. Die zah­len­mä­ßig streng limi­tier­te Ein­mann-Streit­macht hat mit Eric Quach, den Befehls­ha­ber und Schüt­ze Arsch im letz­ten Glied, alle unter einem Dach bzw. unter dem Schä­del­kno­chen. Bleibt die Fra­ge, inwie­weit die gro­ße Ämterhaufung klug erscheint oder hier­ar­chisch sinn­voll ist. Die Ant­wort kann nur scharf­sin­nig lau­ten, denn er ist Legis­la­ti­ve und Exe­ku­ti­ve in einen. Das heißt, er kom­po­niert und setzt setzt aktiv in die klang­li­che Tat um. Das geschieht wei­test­ge­hend mit einer Gitar­re, unzäh­li­gen Effekt­ge­rä­ten und auf Plat­te auch mit diver­sen Gast­mu­si­kern an den unter­schied­lichs­ten Instru­men­ten. Live jedoch, steht er allein auf wei­ter Flur oder den Bret­tern die die Welt bedeu­ten. Dort ver­an­stal­tet er eine sehr eigen­stän­di­ge, mit­rei­ßen­de und höchst atmo­sphä­ri­sche Abfahrt, die immer ein wenig in der Dun­kel­heit tapst, aber von bemer­kens­wer­ter Schön­heit erfüllt ist. Für sei­ne ein­drucks­vol­len Arran­ge­ments bedient er sich bei Ele­men­ten aus Dro­ne, Shoega­ze, Post Rock, Doom, Kraut Rock und Black Metal. Die­se inein­an­der nicht lös­ba­ren Teil­chen bil­den eine zutiefst ein­heit­li­che klang­li­che Emul­si­on. Nur ein­zel­ne Rudi­men­te ragen her­aus und machen This­quiet­ar­my zum fried­fer­tigs­ten, inno­va­tivs­ten und inter­es­san­tes­ten Heer, der andau­ernd auf Kon­fron­ta­ti­on fixier­ten Mensch­heit. Dadurch erschein­t selbst derun­säg­li­che Job des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ters als Admi­nis­tra­tor des Pazi­fis­mus, ohne Wenn und Aber, wie­der lukra­tiv.
 
“This­quiet­ar­my” Band­camp: https://thisquietarmy.bandcamp.com/album/hex-mountains (eine rie­si­ge Dis­ko­gra­phie zum Anhö­ren auf der Sei­te)
 
This­quiet­ar­my” You­tube: https://www.youtube.com/watch?v=QWOsoQLmD5M (die per­fek­te Vor­be­rei­tung: ein gan­zes Live­kon­zert aus Sao Pau­lo von 2013)
 
“This­quiet­ar­my” Face­book: https://www.facebook.com/thisquietarmy
 
Cau­dal

Das Art­work der Schei­ben von Cau­dal zeigt wei­test­ge­hend his­to­ri­sche Szenen, bei denen im Unkla­ren bleibt, ob die dor­ti­gen Prot­ago­nis­ten dem Schlaf des Gerech­ten nach­ge­hen, oder ob ein Akt von Gewalt für die­sen exzes­si­ven Lie­ge­vor­gang gesorgt hat. Wäh­rend der optisch schwerst auf­ge­pimp­ten Dame, auf dem “Ascen­si­on” Cover, offen­sicht­lich das Blut aus den hoch­ha­cki­gen Pumps tropft, scheint der Mann auf dem Print ihres Erst­lings “Fore­ver in ano­t­her World”, tat­säch­lich nur zu Schlafen. Für die wun­der­vol­le Schön­heit der Land­schaft hat er kein Auge, denn er hat sich von gro­ßer Müdig­keit geknech­tet und in Erman­ge­lung eines adäqua­ten Schlaf­plat­zes, ein­fach mal auf die har­te Erde gelegt. Getreu dem Mot­to, “wie man sich bet­tet, so schläft man”, besteht hier gro­ße Gefahr von Druck­ge­schwü­ren, dem tie­fen Nicker­chen sei Dank.
Weder das unend­li­che Schlaf­ge­sche­hen, noch einen Win­ter­schlaf oder einen natür­lich zykli­schen Penn­vor­gang, kann man Cau­dal in die Schu­he, oder bes­ser gesagt, unter das Kis­sen schie­ben. Dicht an der Som­n­o­lenz, aber trotz­dem immer hell wach, schlei­chen sie sie sich schlaf­wand­le­risch durch tran­ce­ar­ti­ge, end­rück­te und medi­ta­ti­ve Traum­land­schaf­ten. Lau­tes Schnar­chen, lan­ge Atem­aus­set­zer und zacki­ge Augen­be­we­gun­gen, wie in den REM-Pha­sen des Schla­fes, blei­ben den Puschen ähn­lich, vor dem Bett. Denn ihre gro­ße Ruhe wird von einer höchst aus­ge­gli­che­nen Ent­spannt­heit gespeist und hal­lu­zi­niert sich für immer in eine ande­re Welt. Selbst nen­nen die in Ber­lin ansäs­si­gen Kana­di­er, um Nad­jas Aidan Baker, ihren Stil Tran­ce­punk. Das trifft jedoch nicht ansatz­wei­se das, was die­ses hoch­klas­si­ge Trio an klang­li­chen Out­put aus­schüt­tet. Immer instru­men­tal, wer­den Ein­flüs­se aus Dro­ne, Psy­che­de­lic, Shoega­ze, Post Punk, Ambi­ent, Space, Kraut und Post Rock all­um­fas­send mit­ein­an­der ver­knüpft. Das erzeugt Schwe­be­zu­stän­de und schickt selbst die Matrat­ze auf eine oszil­lie­rend lege­re und zwang­lo­se Flugreise. Schon ein biss­chen auf­ge­regt? Dafür gib­t’s Bal­dri­an, dann klapp­t’s auch mit der Kat­ze.

Cau­dal” Band­camp: https://caudal.bandcamp.com/album/forever-in-another-world (mehr zum Anhö­ren auf der Sei­te, z.T. Name your pri­ce, 0 Euro mög­lich)

Cau­dal” Face­book: https://www.facebook.com/CaudalTrio/timeline?ref=page_internal


 
 

Bis Sonn­tag! Vie­le Grü­ße Henn O)))

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