Undergang
Under­gang

The Wicked Lady Show 113

  1. Shadow Witch – The Shadow Witch
  2. Lurk – Nether
  3. Tel­lus Efflu­en­tia – Intan­gi­ble
  4. Sül­für Ensem­ble – Karaçor
  5. Holy Gro­ve – Death of Magic
  6. Under­gang – Ad Lig­bi­tum
  7. – Ex Obli­vio­ne
  8. Pyra­mi­do – Att Bida Sin Tid
  9. Abs­trac­ter – Whe­re All Pain Con­ver­ges

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BelzebonG
Bel­ze­bonG

The Wicked Lady Show 112

  1. Ele­phants – This Life
  2. Pri­sa Mata – Ride The Sky
  3. Brunt – A Con­cise Cos­mic Histo­ry Of The Swob Pt1 (The Birth Of Fuzz)
  4. Man­un­kind – When The First Human Being Wants To Sleep
  5. Seed­ship – The Con­dem­ned Adrift
  6. Electric­je­zus – Деревянная комната
  7. Bel­ze­bonG – Goat Smo­king Blues
  8. Naðra¡l
  9. Mer­chant – Mour­ning Light

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kraut­rock noi­se psy­che­de­lic rock, Cam­bridge, UK

released March 4, 2016

https://www.facebook.com/psychiclemon

Kaum fass­bar, dass dies ein Debüt­al­bum ist. Wie erfri­schend sprit­zig gehen Psychic Lemon den alt­be­währ­ten Kraut­rock an.., mit so vie­len lie­be­vol­len Remi­nis­zen­zen an die alten Pio­nie­re (ich spar mir hier das Name­drop­ping). Ich kann mich nicht erin­nern, wann ich das letz­te Mal über ein Krautrock­al­bum neue­ren Datums so aus­ge­ras­tet bin.

Aber fan­gen wir am Anfang an… Psychic Lemon ist ein Quar­tett aus Cambridge/UK, und ihr selbst­be­ti­tel­tes Album, ihr Debüt, wie schon erwähnt, umfasst sechs Songs und die gesam­te Spiel­zeit beträgt etwa 40 Minu­ten.

Ver­klei­det als eine Mischung aus haupt­säch­lich Kraut­rock und Funk. gewürzt mit einer Viel­zahl ver­schie­de­ner sti­lis­ti­scher Ele­men­te, ist es in Wahr­heit ein Welt­raumaben­teu­er, ein fun­ki­ger, groo­vi­ger, prog­gi­ger Spa­ce­trip.

Der Ope­ner TiCk­Tok schleu­dert dich ohne jede Vor­war­nung direkt ins All, nur eine Take Off Wol­ke aus Feed­back­ge­räu­schen und dann schickt dich eine atem­be­rau­bend trei­ben­de Base­li­ne zu unbe­kann­ten spa­ci­gen, krau­ti­gen, jaz­zi­gen, pro­gres­si­ven Wel­ten und Sound­s­capes, die dich umge­hend mit­rei­ßen und dich umher­schub­sen wie es ihnen beliebt. Wider­stand ist zweck­los.
Death Cult Blues fängt dich dann erst­mal auf und wickelt dich sanft in idyl­li­sche Klän­ge ein, nur um dich gleich wie­der in neue , wie Feu­er­werk explo­die­ren­de Klang­wel­ten zu schleu­dern, die sich unauf­hör­lich ver­wan­deln und neue Visio­nen und Stim­mun­gen schaf­fen. Anschei­nend mühe­los und wie von selbst brei­ten sie sich in der Unend­lich­keit aus. Und den­noch ist da eine unsicht­ba­re Umlauf­bahn, eine kla­re Struk­tur, die den Song nicht aus­ein­an­der drif­ten läßt und eine inne­re Kohä­renz schafft. Die­ser Song demons­triert für mich am deut­lichs­ten, wie ver­dammt gut die Band es schafft die per­fek­te Balan­ce zwi­schen Lau­fen las­sen und Kon­trol­le hin­zu­be­kom­men. (Hab ich eigent­lich schon erwähnt, daß ich kaum glau­ben kann, daß es sich hier um ein Debüt­al­bum han­delt?)

Um wie­der zu Atem zu kom­men ist Good Cop Bad Cop ein etwas ent­spann­te­res Stück. Es ist sehr fun­ky, jazzy und ver­spielt, aber gleich­zei­tig spa­cy und schafft damit eine Art “Spy Movie” Stim­mung mit locke­rem Groo­ve doch mit gespann­tem Unter­ton und vor­wärts trei­ben­der Dyna­mik. Da kommt ein bischen “Lalo Shif­rin Sound­track” Gefühl auf.
Ana­lo­gue Sum­mer ist noch relax­ter und die Stim­mung wan­delt sich wie­der. Ein sanf­ter ruhi­ger Bass-Sound, Sli­de Gui­tar, melo­di­sche Key­board­klän­ge, Vogel­ge­zwit­scher, all das strahlt flir­ren­de Hit­ze und Som­mer­le­thar­gie aus, eine Lethar­gie mit der leicht ver­schwom­me­nen Wahr­neh­mung eines trun­ke­nen Trau­mes, eine psy­che­de­li­sche Ver­zer­rung, eine aus­ge­walz­te “daliartige” Ver­schie­bung.
Dila­tor weckt dich aus dem trun­ke­nen Traum mit kraft­vol­lem Dri­ve. Den­noch ist die­ser Song gleich­sam beru­hi­gend. Er ist, wenn das bei die­sem Album über­haupt mög­lich ist, der am ehes­ten als “easy lis­ten­in­g” Song zu bezeich­nen­de. Eine soli­de Struk­tur bringt hier eine Pau­se von all dem atem­be­rau­ben­den, explo­die­ren­den und kom­ple­xen Gesche­hen und berei­tet dich auf die Heim­rei­se vor.
Der letz­te und längs­te Song des Albums, Hori­zon, ist wie eine Abkür­zung zurück auf der Neben­stre­cke, ein Reka­pi­tu­lie­ren der Rei­se, Betrach­ten der Raum­wel­ten aus der Distanz, dar­an vor­bei schwe­ben und doch den Dri­ve und den Groo­ve spü­ren, um schließ­lich wie­der auf Mut­ter Erde zu lan­den, mit einem letz­ten spa­ci­gen Aus­ras­ter.

Hat­te ich schon erwähnt daß ich kaum glau­ben kann … , okay, okay… So vie­le inno­va­ti­ve Ideen, ein groß­ar­ti­ges Gefühl für die Kom­bi­na­ti­on und aus­ge­wo­ge­ne Mischung ver­schie­de­ner sti­lis­ti­scher Ele­men­te, Stim­mun­gen, Cha­os und Struk­tur. Und alles ent­fal­tet sich wie von selbst, fügt sich inein­an­der als sei das natür­li­che Kon­se­quenz. Die Musi­ker sind auf­ein­an­der ein­ge­spielt, als wür­den sie seit Jahr­zehn­ten mit­ein­an­der spie­len…, min­des­tens! All das macht die­ses Album zu einem abso­lu­ten Hör­genuß!

Writ­ten by Ulla, The Wicked Lady
Eng­lish ver­si­on: http://wickedlady.net/2016/03/05/psychic-lemon-psychic-lemon/

metal occult doom bla­cke­ned sludge Fran­ce

released Octo­ber 15, 2015

http://www.metal-archives.com/bands/Cult_of_Occult

Seit Cult of Occult ihr slud­gi­ges Unwe­sen trei­ben, also seit 2011, bin ich die­sem fran­zö­si­schen Vie­rer zuge­tan. Nun haben sie mit ihrem drit­ten Album “Five Degrees Of Insa­ni­ty” erneut ihre hass­erfüll­ten, mis­an­thro­pi­schen Bot­schaf­ten über die Men­scheit aus­ge­schüt­tet, jeden­falls über den rela­tiv klei­nen­Teil der Mensch­heit, der ger­ne bereit ist sich von ton­nen­schwe­ren Riffs zer­quet­schen und von zäh­flüs­si­ger Lang­sam­keit ter­ro­ri­sie­ren zu las­sen – also auch über mich. Erwar­tungs­froh las­se ich die neu­en Klän­ge an mei­ne Ohren drin­gen.

Ampli­fier­ge­dröh­ne, als wür­de eine mons­trö­se Hass­ma­schi­ne in Gang gesetzt, brummt aus mei­nen Laut­spre­cher­bo­xen. Eine Hass­ma­schi­ne, die sich dann nach etwa andert­halb Minu­ten schwer­fäl­lig stamp­fend fort­be­wegt, alles und jeden – mich natür­lich auch – unter sich nie­der­walzt und dabei eine zäh­flüs­si­ge, kleb­rig-schlei­mi­ge Mas­se aus­brei­tet und alles ein­hüllt und gefan­gen hält – mich natür­lich auch. So bin ich also dann den gna­den­los schwe­ren Riffs, die sich teils in quä­len­der Lang­sam­keit und repe­ti­ti­ver Mono­to­nie durch ein Meer aus Feed­back und Dis­tor­ti­on frä­sen, hilf­los aus­ge­lie­fert und eben­so den, im bes­ten Sin­ne, fie­sen Vocals, die das Elend die­ser Welt aus­kot­zen – Ekel, Ver­ach­tung, Schmerz, Hass – alles drin.

Cult of Occult rüh­ren viel Black Metal, Dro­ne und psy­che­de­li­sche Ele­me­te mit in die dicke Slud­ge/­Doom-Sup­pe und las­sen eine beängs­ti­gen­de Mischung aus bedroh­lich brü­ten­der und hys­te­risch psy­cho­ti­scher Atmo­sphä­re ent­ste­hen, die sich inner­halb der rela­tiv lan­gen Songs (zwi­schen 10 und 17 Minu­ten) sorg­fäl­tig auf­bau­en und ent­fal­ten kann. Ins­ge­samt fühlt sich jeder Song jeweils etwa einen Grad psy­cho­ti­scher und inten­si­ver an als sein Vor­gän­ger, inso­fern macht das Album sei­nem Titel alle Ehre.

“Five Degrees Of Insa­ni­ty” don­nert gleich­zei­tig effek­tiv und direkt in die Fres­se, fräst sich unauf­halt­sam ins Hirn und kriecht hin­ter­häl­tig unter die Haut. All das zusam­men übt eine hyp­no­ti­sche Anzie­hungs­kraft aus, der ich mich nur schwer ent­zie­hen kann. Aber war­um soll­te ich das auch tun wol­len?

Review by Ulla, The Wicked Lady